Musst Du immer glücklich sein? Für mehr Wertungsfreiheit und Annahme aller Facetten im Leben

Man muss nicht immer glücklich sein, weiß Carolin von Soul Rebel Coaching aus Berlin

Willst Du auch schnell glücklich werden?

Es wird heute konfrontativ. Denn seit Längerem beobachte ich eine Entwicklung im Coaching-Bereich, die vermittelt mit Coaching könntest du dein Leben effektiv und vor allem schnell in ein von Glück getränktes Leben wandeln. Glück wird zum Verkaufsmagnet. Und auch, wenn viele Coaches eine seriöse Ausbildung haben und gute Absichten (ich greife niemanden persönlich oder als Mensch an!), scheint es mir doch als würde für die Verkaufszahlen, das Ziel “glücklich sein” sehr plakativ genutzt. Schnell erreichbar muss es sein, in nur wenigen Schritten und überhaupt komplett lebensverändernd.

Und dadurch wird ein Bild erzeugt, das ich fragwürdig finde: ein paar besonders schöne Affirmationen, meditieren, vegan oder zumindest vegetarisch leben, dazu verschiedene Yogaformen und das macht dich glücklich. Zack – Happy![

Glück als Verkaufsmagnet - Und die Kehrseite

Noch nachdenklicher macht mich, dass auch viele andere (durchaus tolle und schlaue) Menschen auf diesen Zug aufspringen. Mindset blogging wird dies genannt. Das sind dann die, die die besonders schönen Affirmationen auf schöne Bilder schreiben und das Ganze in ihre Instastory packen. Gern auch als Podcast aufbereitet ( dann natürlich ohne Bilder, aber mit Ton). Ob hier eine Coaching-Ausbildung absolviert wurde, ist nicht mehr klar, und wahrscheinlich auch nicht mehr wichtig.

Denn für alles gibt es einen Markt. So auch für die Mindset- Blogger und Podcaster. Und ich will hier deutlich anerkennen: Natürlich wurde so auch ein Boden bereitet, damit sich immer mehr Menschen für die eigene Weiterentwicklung öffnen. Das ist grundsätzlich positiv. Danke dafür!

Schade finde ich dabei, dass dieses “Glitzer-Glitzer Coaching” und Mindset Blogging momentan überhand zu nehmen scheint (zumindest von meiner Filterblase aus betrachtet) und so ein falsches Bild aufgebaut wird, wie die persönliche Entwicklung anfeuert werden kann. Denn durchaus anspruchsvolle Themen wirken mitunter per Fingerschnippen bewältigbar. Fokus einfach auf Glück. Manifestieren. Dankbar sein. Und eins, fix, drei: Glückliches Leben. Toller Beruf. Erfüllte Beziehung. Reichtum. Gern auch kaum arbeiten, dafür reisen, reisen reisen.

Was stimmt nicht mit dir, wenn Du einfach nicht richtig glücklich wirst?

Doch damit wird meiner Meinung nach auch vermittelt: “Glückliches Leben? Kann doch ganz einfach gehen. MUSS doch ganz einfach gehen. Warste irgendwie doof, wenn du es vorher nicht so richtig hinbekommen hast.”

Denn was ist denn, wenn du es trotz der so einfach umsetzbaren Übungen nicht oder nicht so schnell schaffst, dein Leben voller Glück zu gestalten. Bist du dann nicht eine Versagerin? Das Du, trotz Coaching und deines neuen Mindsets, von dir denken könntest, Du seist eine Versagerin, genau diese Gefahr birgt meiner Meinung nach, dieses überhöhte Bild “vom schnellen Glück”, was da gezeichnet wird.

Unsere Antwort ist klar: Ich finde, du bist weiterhin ein ernstzunehmender, wunder- und wertvoller Mensch, auch wenn deine Entwicklung in kleinen Schrittchen statt Riesensprüngen voran geht. Du darfst auch glücklich mit einem vermeintlich normalen Leben sein. Ich finde es einen Riesenerfolg, wenn Du lernst ehrlich in dein Inneres zu blicken und dafür Verantwortung übernimmst. Ich habe dafür Verständnis, dass Erkenntnisse erst einmal verdaut werden müssen und Du nicht sofort deinen Job kündigst oder deine Beziehung beendest, nur damit Du einem Ideal nachstrebst, was dir selbst noch gar nicht richtig klar ist.

Coaching als wirkliche Arbeit an dir und für mehr Facetten im Leben (Glücklich sein ist eine davon)

Denn ich weiß, was Coaching auch ist: Coaching ist Arbeit. Arbeit an dir selbst, begleitet und unterstützt durch einen Coach. In dem Fall uns. Wir bohren liebevoll nach, damit du an den Kern deiner Fragen kommst und wirklich passende Lösungen findest. Keine Blaupause á lá “das hat bei 1000 Klienten schon gut funktioniert, also MUSS es auch bei dir wirken”. Ich mache Angebote von Übungen FÜR dich. Ich spiegel dein Verhalten und gebe dir damit Rückmeldungen und AHA-Erlebnisse zu dir selbst, die Du so wahrscheinlich noch nie bekommen hast.Das ist mitunter anstrengend und fordert dich heraus.

Und natürlich möchte auch ich für dich, dass du glücklich bist und zufrieden, aber nach deiner eigenen Definition. Und ich bin genauso für dich da und sehe dich, wenn Du verwirrt bist, verzweifelt, unruhig, ängstlich, ungeduldig, unzufrieden, traurig, wütend, enttäuscht. Ich unterstütze dich, wenn Du dich nach anderen Facetten in deinem Leben sehnst. Wie etwa, Ruhe, Klarheit, Frieden, Harmonie, Liebe, Verbindung, Erfolg, Selbstbestimmung, Zuversicht, Leichtigkeit.

Vielleicht fragst Du dich jetzt: Aber kann Coaching und die eigene Weiterentwicklung nicht auch leicht sein oder sogar Spaß machen?

Ja, klar kann es das. Doch auf einer anderen Ebene und in anderen Farben. Es kann Spaß machen, die eigenen Erfolge im und durch das Coaching zu feiern. Es kann Spaß machen, mit dem Coach auch mal über sich selbst und seine Gewohnheiten zu schmunzeln. Es kann Phasen geben, da werden dir Veränderungen leichter fallen und Du wirst dich freuen. Es wird dich bereichern, mit jemanden zu arbeiten, die dich unterstützt, dein Bestes will und der Du dich öffnen kannst, weil Du weißt, du darfst mit allem da sein, was dich ausmacht. Diese Wertschätzung und Verbindung zu spüren, gibt dir ebenso Kraft.

Statt Fokus aufs Positive um jeden Preis - Versuch's mal hiermit

Als Coach lerne ich Klienten wertungsfrei anzunehmen, ihre Situation zu würdigen und sie nicht sofort in eine “Glücks-“Lösung zu pressen.

Ebenso ist ein Teil unserer Haltung, dir zu helfen, deinen Blick zu weiten und ebenso möglichst wertungsfrei Dinge zu betrachten. Beide Seiten einer Sache zu sehen – die vermeintlich positiven und die vermeintlich negativen. Perspektiven wechseln also, um eine Situation umfassender wahrzunehmen.

Ulrike Scheuermann trifft es in ihrem Buch “Innerlich frei” für mich perfekt. Sie schreibt: ” Wir haben immer beides. Wir haben Glück, und wir haben Unglück. Wir lieben und wir leiden. Wir sind gut und böse, groß und klein. Mal steht das eine, mal das andere mehr im Vordergrund. Doch das jeweils Gegenteilige ist trotzdem immer da.”

ÜBUNG "Zwei Pole des Lebens"

Ulrike Scheuermann stellt in “Innerlich frei” auch eine Übung vor, die ich ganz hervorragend finde, um zu lernen, beide Seiten wahrzunehmen, anzunehmen und generell ganzheitlicher zu denken. Denn das kommt ja auch hinzu, wir stehen nie losgelöst, sondern sind eingebunden in ein globales System.

Übung: Zwei Pole des Lebens:

  1. Führe dir dein Leben oder dich als Person vor Augen und entscheide dich, welche positiven und negativen Punkte Du davon betrachten möchtest.
  2. Zeichne auf ein leeres Blatt eine Linie, die das Blatt vertikal in zwei Hälften trennt, eine positive und eine negative.
  3. Platziere nun nach und nach die positiven und negativen Punkte mit einer kurzen Notiz auf dem Blatt. Je nach dem, wie ausgeprägt Du diesen Punkt siehst, setzt Du ihn dichter (wenig ausgeprägt) oder weiter entfernt (sehr ausgeprägter Pol) an die Mittellinie.Beispiel für einen positiven Punkt : “Ich bin sehr belastbar.”Beispiel für einen negativen Punkt: “Ich kann nicht kochen.”
  4. Ziehe nun von jedem Punkt eine waagerechte Linie hinüber auf die jeweils gegensätzliche Seite und setze dort einen weiteren Punkt ebenfalls mit einer Notiz. Über den Abstand zur Mittellinie entscheidest Du.Orientiere dich an Fragen wie: Was ist jeweils der Gegensatz? Was könnte die jeweilige Kehrseite in meinem Leben bewirken.Die negative Kehrseite von “Ich bin sehr belastbar.” ist zum Beispiel, dass ich den Anspruch an mich habe, sehr viel leisten zu müssen und mir kaum Ruhepausen gönne. Und eine positive von “Ich kann nicht kochen” ist etwa, dass ich einen Partner habe, der es sehr gern übernimmt und ich immer auch mit einer einfachen Stulle und einem Apfel zufrieden bin.

Was diese Übung ermöglicht: Je mehr, Du es dir zur Gewohnheit machst und auch im Alltag beide Seiten (das Gute im Schlechten und umgekehrt) betrachtest, wirst Du mit der Zeit viel weniger in den starren Kategorien “gut” und “schlecht” oder “richtig” und “falsch” oder eben auch “glücklich” und “unglücklich” bewerten. Und Du wirst bei dir selbst und auch bei anderen diese beiden Seiten sehen und einfach so stehen lassen können. Wertungsfreier werden.


Was bedeutet es für dich, ein glückliches Leben zu führen?

Welche Facetten darf dein Leben noch haben?
Und welche Erfahrung hast du mit der Übung “Zwei Pole des Lebens” gemacht?

Alles Liebe, Carolin und Steffi



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