Poetin, Essayistin und Feministin Kea von Garnier im Sichtbarkeitsinterview

Kea von Garnier aus Berlin im Soul Rebel Interview über Sichtbarkeit und Selbstbewusstsein

Kea schreibt. Und sie schreibt gut. Sehr gut, um genau zu sein. In unserem Sichtbarkeitsinterview erzählt sie offen über Verletzlichkeit und den Mut, wirklich sich selbst zu leben.

Wer Lust auf eine große Portion Inspiration und Ermutigung hat, liest unbedingt weiter.

 

Kea, wer bist Du, was machst Du und was fasziniert dich daran?

Ich bin Kea, Poetin, Essayistin und Feministin. Meine Welt der Worte teile ich auf meinem Blog und auf Instagram – ich schreibe über die Gesellschaft, wie sie ist und wie sie sein könnte, offen über meine Angststörung und Depression und damit gegen das Tabu psychischer Erkrankungen.

Im letzten Jahr ist mir eine Wahrheit über mich klar geworden: schreibend diene ich der Welt am Besten. Worte können berühren und verändern. Die vielen Nachrichten, die mich erreichen, in denen Menschen ihre persönlichen Geschichten mit mir teilen, zeugen davon.

Was bedeutet Sichtbarkeit für dich?

Sichtbarkeit bedeutet für mich, Verletzlichkeit zuzulassen. Wir halten uns oft zurück mit dem, was uns wirklich bewegt, weil wir befürchten, abgelehnt oder belächelt zu werden. Sichtbarkeit ist für mich nichts Oberflächliches, sondern geht wirklich in die Tiefe: traust du dich, deine Masken abzulegen und deine Wahrheit auszudrücken? Das bedeutet zwangsläufig, verletzbar zu sein. Aber es ist auch eine großartige Chance in die Nähe dessen zu kommen, was wir ein erfülltes Leben nennen.

Welche Rolle spielt Sichtbarkeit für dich persönlich und beruflich?

Eine große – und ich bin noch auf dem Weg. 2018 möchte ich den Mut finden, meine Schreibleidenschaft mehr und mehr zu meinem Beruf zu machen. Noch verdiene ich den Löwenanteil meines Gehalts durch meine Selbstständigkeit als Grafikerin.

Dabei habe ich damit nie einen wirklichen Durchbruch erzielt – all die Pläne, die dazu hätten führen können, in diesem Bereich supererfolgreich zu sein, vielleicht irgendwann selbst Angestellte zu haben oder mehr Geld zu verdienen, habe ich nie richtig angepackt. Weil es einfach nicht wirklich meine Pläne waren. Die Zeit hat gezeigt, dass das einfach nicht mein Weg ist und noch etwas anderes auf mich wartet. Verrückt, dass man manchmal so lange damit fortfährt, sich selbst darüber zu belügen, was man ist – und was nicht. Wenn ich auf irgendwelchen Freelancer-Meet-Ups erzählte, dass ich Grafikerin sei, hatte ich immer das Gefühl, von jemand anderem zu sprechen. Trotzdem machte ich jahrelang weiter damit. Erst als ich mich fragte, warum ich mich eigentlich permanent selbst sabotiere, kam ich mir auf die Schliche.

 

Woran erkennst Du, dass Du sichtbar bist?

Für mich ist Sichtbarkeit ganz stark an Authentizität geknüpft – wenn ich für etwas gesehen werde, das mir gar nicht entspricht, fühle ich mich auch nicht sichtbar. Dann spiele ich nur eine Rolle, der Beachtung geschenkt wird. Wenn ich aber mit einem Herzens-Thema oder einer Herzens-Tätigkeit auf andere Menschen zugehe, kommt das, was mich berührt in Kontakt mit anderen. Das ist spürbar an den Reaktionen der anderen und am Gefühl in mir.

Kea von Garnier im Interview über selbstbewusst und sichtbar sein

Was macht es mit dir, wenn Du sichtbar bist?

Es berührt mich. Es schenkt mir tiefe Verbindung zu anderen und ist Treibstoff für die Seele – im Austausch mit anderen zu sein über das, was mich bewegt und beschäftigt, gibt mir Kraft. Ich würde sogar soweit gehen, zu sagen, dass es für mich die Würze des Lebens ist, der Sinn, den ich den Dingen zu geben vermag.

Was war bisher deine größte Sichtbarkeitsherausforderung?

Ich glaube, das war meine Entscheidung, offen zu dem zu stehen, was ich bin: Lyrikerin in einer Ellenbogengesellschaft. Feministin im Patriarchat. Psychisch Erkrankte in einem System, das oft nur glaubt, was es anfassen kann. Mich hinzustellen und zu sagen: so, das hier bin ich. Das war der größte Sprung in den letzten Jahren.

Wie hast Du sie gemeistert?

Für diese Entscheidung habe ich eine Menge Mut gebraucht – gefunden habe ich sie in folgendem Gedanken: Es wird immer Menschen geben, die nicht mögen, was ich mache, egal, WAS ich mache. Also mache ich lieber das, was sich gut und richtig anfühlt für mich – KritikerInnen gibt es sowieso.

Aber wenn ich mich selbst öffne, mache ich überhaupt erst die Tür zu der Möglichkeit auf, dass mich genau die Menschen finden, die zu mir passen. Von denen, die mich ablehnen, wenn ich keine Maske aufsetze, darf ich mich guten Gewissens lösen. Wir müssen nicht zu allem und zu jedem passen und können das auch gar nicht – man schaue sich nur mal an, wie vielfältig und bunt die Welt ist! Komm mit den Menschen in Kontakt, die ebenfalls ein Leuchten im Gesicht haben, wenn du über das sprichst, was dich begeistert. Das genügt vollkommen!

Was würdest Du von heute aus gesehen, diesbezüglich anders machen?

Früher damit anfangen 😉

Was hast Du durch die Herausforderung gelernt?

Dass ich nicht allen gefallen kann und muss. Und dass wir uns manchmal selbst in die Tasche lügen – sei es, weil wir Angst haben, zu versagen oder weil wir uns immer noch eine Idee offen halten wollen, die zwischen uns und dem Tod steht. Das habe ich einmal in Julia Camerons „Der Weg des Künstlers“ gelesen. Das richtig heiße Eisen packen wir manchmal lange Zeit nicht an, weil uns das in der Illusion wiegt, noch Zeit zu haben. Wenn es etwas gibt, für das dein Herz schlägt – wage es! Das muss nichts Weltbewegendes sein – Hauptsache, es bewegt DEINE Welt.

Welchen Tipp hast Du für unsere Leser_innen, wenn es um die eigene Sichtbarkeit geht?

Messt euren Wert, euren Erfolg und eure Sichtbarkeit bitte NICHT an Follower-Zahlen, sondern an eurer eigenen Zufriedenheit. Die Selbstoptimierungs-Schmieden dieser Welt und leider auch Teile der Achtsamkeits-Szene tragen ein paar große Vorbilder vor sich her – im Wunsch, diesen einflussreichen Menschen nachzueifern, sprießen Online-Geschäftsideen aus dem Boden wie die Krokusse. Und wenn sich nach einem Jahr das eigene Business nicht am angestrebten Ideal messen kann, rennen uns Versagensängste die Tür ein. Wir vergleichen uns und scheinen nie gut genug zu sein.

Vielleicht können wir Sichtbarkeit aber umdenken – Sichtbarkeit als Barometer dafür, wie sehr Herz und Wirklichkeit übereinstimmen. Wie sehr unser Inneres im Außen leben darf. Ob und wie viele Menschen das bewundern oder uns folgen darf nicht zur Hauptsache werden.

Welche Sichtbarkeitsherausforderung steht bei dir demnächst an? Und wie hast Du vor sie zu meistern?

Ich möchte mir erlauben, Autorin zu sein. Es gibt immer noch eine Menge Scham, Angst und Minderwertigkeitskomplexe in mir, die ich im Laufe meiner Sozialisation heruntergeschluckt habe und die mir jetzt, da ich versuche, sie zu überwinden den einen oder anderen Zweifel-Schluckauf bescheren. Aber Zweifel sind Teil des Prozesses, keine Hinderungsgründe.

Ich versuche, Tag für Tag zu leben – und mich auf die Freude am Tun zu konzentrieren. Ob ich für die Ergebnisse meiner Passion am Ende den Segen der anderen bekomme, steht in den Sternen. Aber ob ich mich selbst leiden kann, das kann ich beeinflussen.

Liebe Kea, danke, dass Du dabei warst!


Was denkst Du über Sichtbarkeit?

 Was hält dich davon ab, dich zu zeigen und wie meisterst Du Sichtbarkeitsherausforderungen?



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