Frauen dürfen nicht mächtig sein

Frauen dürfen nicht mächtig sein

Oder wie siehst Du das? Dürfen Frauen mächtig sein?

Mal genommen, ich (Steffi) nenne dir drei Begriffe:

  1. Geld
  2. Macht
  3. Karriere

Stell’ dir vor, das sind die Werte einer dir unbekannten Person. Wie sympathisch findest Du diese Person? Welche Assoziationen kommen dir spontan? Denkst Du eher an eine männliche oder eine weibliche Person?

Und wenn Du nun die folgenden drei Begriffe liest:

  1. Familie
  2. Liebe
  3. Sicherheit

Wie sympathisch findest Du eine Person mit diesen Werten? Denkst Du spontan, dass sie eher weiblich oder männlich ist?

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Alle Begriffe, bzw. Werte, wie wir sie im Coaching nennen, sind mit persönlichen Meinungen und Haltungen verbunden. Mit Macht assoziiert man häufig etwas völlig anderes, als mit Liebe. Im Coaching wird in der Regel angenommen, dass die Person mit den ersten drei Werten – Geld, Macht, Karriere – männlich sei.

An sich ist das weder richtig noch falsch. Haarig kann es dann werden, wenn Frau Macht als Wert per se ablehnt.

Darf Frau mächtig sein?

Wenn Du eine Frau bist: Wie wärst Du, wenn Du mächtig wärst? Darfst und willst Du so sein? Welche Befürchtung hast Du?

Und wenn Du ein Mann bist: Wie wirkt eine mächtige Frau auf dich? Was macht das mit dir?

Gute Frauen - Böse Frauen

Erinnerst Du dich an das Buch “Gute Mädchen kommen in den Himmel, böse überall. Warum brav sein uns nicht weiterbringt” von Ute Ehrhardt? Es erschien 1994 und hat damals ziemlich für Aufsehen gesorgt. Ich habe es vor Monaten aus dem Bücherregal meiner Mama gefischt, und was Ute Ehrhardt schreibt, ist in meinen Augen aktueller denn je und behandelt ein Grundthema, das auch Sheryl Sandberg in “Lean In” beschreibt: Frauen, die sich aus fadenscheinigen Gründen, häufig unbewusst und aus der Angst heraus, anzuecken, so sehr zurück nehmen, dass sie sich selbst verraten.

Was mich in “Gute Mädchen kommen in den Himmel, böse überall hin” am meisten bewegt, ist das Kapitel über Frauen und Macht. Ehrhardt schreibt, Frauen würden auf Macht verzichten, weil sie Angst davor hätten. Und sie stellt eine provokante These auf, die für mich voll ins Schwarze trifft:

“Verknöcherte Machtstrukturen bleiben bestehen, und Frauen tragen ungewollt erheblich dazu bei.” (56)

Die Angst vor der Macht

Mit Macht sind Vorurteile verbunden: wie Ute Ehrhardt beschreibt, seien es Denkfallen, die Frauen davon abhielten, ihre eigene Macht voll anzunehmen und auszuleben.

“Macht macht einsam.”

“Wer mächtig ist, unterdrückt andere.”

“Macht ist böse.”

Anführen, sich in den Vordergrund stellen, bestimmen, Ansagen machen, dominant sein – mächtig sein. Erlaubst Du dir das?

Sheryl Sandberg erzählt offen in “Lean in” wie sie sich peinlich berührt fühlt, wenn davon die Rede ist, wie “herrschsüchtig” sie als Kind gewesen sein soll: “Wenn ein Mädchen versucht, Führung zu übernehmen, wird es häufig als herrschsüchtig bezeichnet. Jungen werden selten so genannt, da ein Junge als Boss niemanden überrascht und stört. Als jemand, der einen guten Teil seiner Kindheit als herrisch bezeichnet wurde, weiß ich: Das ist kein Kompliment. Die Geschichten über mein herrschsüchtiges Auftreten als Kind werden wieder und wieder erzählt. (…) Selbst als wir schon in unseren Dreißigern waren, konnten mich meine Geschwister mich am einfachsten ärgern, indem sie mich an dieses Verhalten erinnerten.” (31)

Eine Klientin meinte im Coaching, jemand hätte sie vor Jahren als herrschsüchtig bezeichnet. Seitdem befürchtet sie, sie könne wieder so rüber kommen. Sie kontrolliert diesen Teil in sich. Von Außen betrachtet, sitzt ganz klar eine Führungspersönlichkeit vor mir. Sie sieht das anders, da ist die Angst mit dem eigenen Verhalten anzuecken.

Bei so vielen Empowerment-Programmen, die es für Frauen gibt, könnte man meinen, dass das mit der Macht ein Hut von gestern gewesen sein müsste. Ist es aber nicht. Und ich glaube, dass viele Frauen Macht als solches ablehnen, um sich selbst davor zu schützen, als dominant und herrschsüchtig bezeichnet zu werden.

Anschaffen, sagen, wo’s lang geht, das wird auch heute noch eher Männern als Frauen zugesprochen.

Dabei brauchen wir genau das und da kann uns auch keine Frauenquote helfen. Die Macht müssen wir uns schon selbst erlauben.

Scheiß' drauf. Mädel, mach' dein Ding

Wer sich mit der eigenen Macht beschäftigt, kann sich zuerst fragen, welcher Begriff für einen selbst gut funktioniert: Führung übernehmen, in Führung gehen, etwas bewirken können, Einfluss nehmen, bestimmen… Was funktioniert für dich?

Und angenommen, Du stärkst dein natürliches Führungstalent: Wofür würdest Du es nutzen? Was wäre dann möglich, was jetzt vielleicht noch unmöglich erscheint?

Wer in deinem Umfeld führt auf eine Art, die dich inspiriert? Was schaust Du dir davon ab?

Wer bestimmen will, wer mächtig sein und andere (nicht nur Mitarbeiter, Führung und Macht sind auch Thema in Familie, Partnerschaft, Freundschaft etc.) führen will, läuft Gefahr, dass nicht alle einen mögen, dass man aneckt, sich Schrammen holt und womöglich als herrschsüchtig bezeichnet wird.

Ich möchte dich auffordern, über Macht nachzudenken. Und dich ehrlich zu Fragen, an welchen Ecken und Enden in deinem Leben Du sie unter den Scheffel stellst. Wo würdest Du dich viel mehr zeigen, wenn Du keine Angst hättest? Was würdest Du tun, wenn Du eine sympathische, einflussreiche und mächtige Frau wärst?

Facebook führen oder dein eigenes Unternehmen aufziehen?

Ich kenne die Scham, die mit dem als herrschsüchtig betitelt zu werden, verbunden ist aus eigener Erfahrung. Es ist 20 Jahre her und es brauchte eine zufällige Begegnung mit einer tollen Frau, die vor mir saß und strahlend verkündete “Ich liebe es, Chefin zu sein.” Da war sie, die Erlaubnis, dass man sehr wohl anschaffen und in Führung gehen darf. Und wenn es mir mit 12 nicht zugestanden wurde, dann sage ich mir heute mit 32 erst recht: Scheiß’ drauf. Mädel, mach’ dein Ding.

Macht und Du: Freunde oder Feinde?
Wir freuen uns auf deinen Kommentar!

Carolin und Steffi

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